Jawoll !
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Stand 13.9.2005

Pest, Cholera und andere, wahlbegleitende Umstände.

Bei dieser Wahl werde ich keine Fragen an die Parteien stellen. Der Grund ist einfach der, ich erwarte keine ernsthaften Antworten. Und um ein 'Weiter so' oder 'Noch weiter so' als Antwort zu erhalten, kann ich ja die Programme der Parteien lesen.

Nun steht unser Kanzler also vor den Scherben seiner Politik und genießt nach eigenem Dafürhalten selbst innerhalb seiner Partei kein Vertrauen mehr. Eben diese Partei wundert sich tatsächlich, daß sie niemand mehr wirklich gerne hat und wählen will, obwohl sie doch ihre eigene Klientel (vulgo Wähler) am stärksten geschröpft hat.
Und, als Gipfel der Undankbarkeit, kaum tritt man die faulen 'Arbeitslosen' ein wenig fester, damit sie auf die Beine kommen und sich endlich mal darum kümmern, die unendlich vielen offenen Stellen in unserem schönen Deutschland zu besetzen, ärgern sich diese Nichtsnutze tatsächlich darüber und drohen mit Stimmen- und somit Liebesentzug.
Dabei haben die Verantwortlichen doch nur die neokapitalistischen Mantren nachgebetet, die ihnen die beratenden Lobbyisten vorgejammert haben.

Das bringt uns zur CDU/CSU, deren Haupt-Wahlargument darin besteht, nicht die SPD zu sein. Ich habe nicht den Eindruck, daß sie (außer den neokapitalistischen Mantren) irgend entwas zur wirklichen Verbesserung der Lage unseres Landes wird beitragen können.
Ja, ja, ich weiß schon, die Konservativen können es gut mit der Wirtschaft und das hilft uns allen. So ?
Ein Blick auf ihre letzte Regierungszeit sagt mehr als tausend Worte.

In ihrem unbezähmbaren Wunsch, koalitionsfähig zu sein, haben die Grünen während ihrer Mitregierungszeit eine verblüffende Wandlungsfähigkeit gezeigt.
Nun sind sie vielleicht koalitionsfähig, allerdings auch für weite Bereiche ihrer Stammklientel eher nicht mehr wählbar. Sollte ein großer Absturz ausbleiben, dann nur, weil von vielen, durchweg enttäuschten Wählern, tatsächlich keine Alternative gesehen wird.
Da Nichtwählen ja immer die falsche Partei unterstützt, ist dieser Gedankengang leider nicht völlig von der Hand zu weisen.

Wenn man von Neokapitalismus spricht, ist die FDP nicht fern. Keiner beherrscht diese Mantren in ähnlicher Perfektion. Sonst noch was ?
Nachdem das mit der Spaßpartei beim Wahlvolk nicht ganz so gut angekommen ist, werden nun wieder die 'bürgerlichen Rechte' ausgepackt. In der Tat, da gibt es realpolitisch sowie terrorkämpferisch einige Defizite.
Allerdings sind wir spätestens dann, wenn die FDP erklären soll, wie sie diese Rechte gegenüber ihrem zu erwartenden Seniorpartner CDU/CSU durchsetzen wird, wieder bei der Spaßpartei.

Es braucht nicht übermäßig viel Hirn und Gedächtnis, um den herrschenden Neokapitalismus als das zu erkennen, was er ist. Nämlich reine Gewinnmaximierung einer eher kleinen gesellschaftlichen Gruppe.
Gewinnmaximierung wiederum ist weder sozial (und dient somit nicht der Schaffung von Arbeitsplätzen oder der Linderung von Hunger und Armut) noch wird sie jemals ihr Ziel erreichen. Da es irgendwo immer Kosten zu drücken oder etwas billiger zu produzieren gibt, kann das Gewimmer der Kapitalisten immer so weiter gehen, egal was die Politiker ihnen zuschustern.
Dennoch wird jeder gescholten, der die herrschende Sichtweise, diese Gewinnmaximierung sei gut für alle Deutschen, kritisch hinterfragt.
Nachdem die Durchschnitts-Bürger also seit langen Jahren den von Lobbyisten und Politikern gepredigten Verzicht geübt und die Konkurrenzfähigkeit deutscher Produkte auf dem Weltmarkt eindrucksvoll bewahrt und sogar verbessert haben, merken sie nun, daß irgend etwas schief gegangen ist. Insbesondere die Zahler von Sozialversicherungsbeiträgen sind innerhalb der letzten Jahrzehnte schlicht enteignet worden. Daneben greift die Erkenntnis Raum, daß gerade die Prediger der neuen Welten bislang nicht nur ohne Einbußen, sondern oft sogar mit erheblichen Zugewinnen dastehen.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis selbst der leidensfähigste Bundesbürger erkennt, daß der Neokapitalismus tatsächlcih keine Perspektive (insbesondere für die schwächeren Teile der Gesellschaft, die täglich mehr werden) bietet.
Nun ist es so weit, es entsteht eine neue Partei, die behauptet, endlich wieder die Interessen der Mehrheit des Volkes vertreten zu wollen.
Und wieder geht das Gejammere der Politiker los, die mit ihrem Verhalten genau die Entstehung der neuen Partei erst möglich gemacht haben. Und alle, alle werden gegen dies verlorene Häuflein Neulinker kämpfen. Weil tatsächlich viele Bundesbürger darüber nachdenken, ihre Stimme nicht mehr einfach so denen zu geben, welche sie innerhalb der letzten Jahre (und insbesondere seit der Wiedervereinigung) ausgenommen haben wie eine Weihnachtsgans.

Inzwischen hat die Bewegung eine Dynamik erreicht wie zuletzt der Umweltschutz vor 20 Jahren. Damals haben die CDU/SPD/FDP innerhalb sehr kurzer Zeit ihr Herz für die Natur und deren Schutz entdeckt, um das Überlaufen ihrer Wähler zu verhindern. Der Rest ist Geschichte.
Die Altparteien versuchen nun wie damals auch, sich neu auszurichten, um das Schlimmste (also Stimmenverlust) zu verhindern. Ob man den Wählern allerdings wird vermitteln können, daß der allgemein gepflegte Neokapitalismus eigentlich gar nicht so gemeint war, wage ich zu bezweifeln.

Innerhalb kurzer Zeit ist nun also die politische Landschaft Deutschlands wieder aus den Fugen geraten. Der Wahlsieg der Rechten, gestern nur eine Frage des Datums, ist durch die neue Partei wieder fraglich geworden. Es wird also spannend.

Das Beste, was unserem Land passieren kann ist, die innerhalb der letzten 20 Jahre verfestigten neokapitalistischen Denkstrukturen zu durchbrechen und den normalverdienenden Mitbürgern zu versichern, daß sie nicht weiterhin alleine für die Eskapaden der Regierenden werden aufkommen müssen. Und, daß die Sozialversicherungen dem Zugriff eben dieser Regierenden, die diese Gelder viel zu lange als Dispositionsmasse gesehen haben, endlich entzogen werden.
Erst dann wird es wieder Zuversicht in die Zukunft geben.

Schließen möchte ich mit dem Gedanken eines dem Sozialismus weitestgehend Unverdächtigen, dem erfolgreichen Unternehmer und Erzkapitalisten Henry Ford. Es lohnt sich gerade jetzt und hier in unserem Lande, innezuhalten und darüber nachzudenken.
"Autos kaufen keine Autos."
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© Gregor Gerlach