Jawoll !
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Stand 20.6.2004

Nachwort

Ich habe auf diesen Seiten etliches, was ich für in unserer Gesellschaft für änderungswürdig halte, aufgeschrieben.
Dabei ist mir aufgefallen, daß viele Dinge, die ich hier anrege, mit unpopulär nur sehr unzureichend beschreiben sind. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum viele Mitbürger das gleiche Wissen haben wie ich, allerdings ungerne darüber sprechen oder nachdenken. Vielleicht hoffen sie ja auf ein Wunder, das ihnen einen schmerzlosen Übergang in bessere Zeiten beschert.

Ich selbst glaube nicht an Wunder solcher Art. Ohne persönliche Opfer von uns allen wird sich die Situation in Deutschland nicht bessern. Je länger wir zögern, diese Opfer auf uns zu nehmen, desto verfahrener wird die Situation. Selbst ein stabiler Aufschwung in der gesamten restlichen Welt wird an uns mit großer Wahrscheinlichkeit weitgehend vorbeigehen, wenn wir unsere Probleme nicht heute lösen.
An dieser Stelle weiß ich mich in guter Gesellschaft. Ebenso wie ich fordert auch die OECD weitreichende Reformen sowohl in Deutschland als auch in ganz Europa.

Lassen Sie mich einen Blick auf unsere mögliche Zukunft unter Beibehaltung des status quo werfen.
Ohne fundamentale Änderungen bei den Lohnkosten werden die Arbeitsplätze in Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit weiter abnehmen. Das wird ebenfalls sehr wahrscheinlich über die Sozialversicherungen zu stärkeren Belastungen für die, die noch Arbeit haben, führen. Oder zu weiterem Abbau der damit verbundenen Leistungen bei gleichbleibenden Beiträgen.
Da das nicht ausreicht, um alle zu versorgen, die wir nicht mehr mitspielen lassen, wird auch die Steuerlast für die normalen Bürger steigen. Ich denke, auf die wirklich Wolhhabenden brauchen wir an dieser Stelle nicht zu sehr zu vertrauen, viele von ihnen haben sich dem Zugriff auf ihr Vermögen ohnehin bereits weitgehend entzogen. Alle Versuche, das zu ändern, werden genau so erfolgreich sein wie die bisherigen.
Ach ja, die Verschuldung unseres Staatswesens wird meines Erachtens ebenfalls weiter steigen. Zumindest solange, wie unseren Politikern dieser Weg weiter offen steht.
Wie gesagt, dies ist meine persönliche Sicht der Dinge im Jahre 2004. Lassen Sie uns am besten 2008 wieder darüber sprechen, wenn die Bundesregierung, die 2006 gewählt wurde, zwei Jahre in Amt und Würden ist.

Daneben lauert noch ein anderes Problem. Auch eine Großmacht kann wirtschaftliche Grundsätze nicht dauerhaft außer Kraft setzen. Oder, um es mit einem ehemaligen US-amerikanischen Finanzminister zu sagen: "Alles, was nicht mehr weiter gehen kann, hört irgendwann auf".
Wir werden wahrscheinlich innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Wirtschaftkrise großen Ausmaßes erleben, die unter anderem mit kräftigen Verwerfungen an den Devisen-, Rohstoff- und Kapitalmärkten einhergehen wird. Die Zinsen werden dann wieder Werte erreichen, die wir uns heute kaum noch vorstellen können.
Auch wenn diese Krise nicht in Europa ihren Anfang nimmt, werden die Folgen dennoch schwer auf uns lasten, da unsere weltweiten Märkte empfindlich davon getroffen werden.
Eine hohe Staatsverschuldung und bis zum Zerreißen angespannte Sozialsysteme bereits zu Beginn dieser heftigen Abwärtsbewegung sind die Mischung, von der ich denke, daß sie uns besonders große Probleme bescheren kann.

Da sich die Volkspartei, die heute die Mehrheit der Regierung stellt, vielleicht ein wenig unglücklich präsentiert, ist es im Bereich des Möglichen, daß sie bei der nächsten Wahl oder sogar früher von der anderen Volkspartei abgelöst wird. Sollte es zu einer Bundestagswahl kommen, glaube ich, wird Sie keine dieser Partei vorher beunruhigen wollen und sich mit konkreten Aussagen innerhalb des Wahlkampfes wahrscheinlich geradezu unangemessen zurückhalten.
Wenn Sie ein normaler Arbeitnehmer sind, werden Sie wahrscheinlich erst ungefähr ein Jahr nach der Wahl wirklich wissen, ob es für Sie besser oder schlechter geworden ist.
Lassen Sie uns diesmal doch vorher fragen, was genau unsere Politker nach der Wahl vorhaben. Ich jedenfalls werde es tun.



Diese Seiten wurden geschrieben im Frühjahr 2004, sollten Sie sie erst Jahre später finden, können Sie meinen Ausblick in die Zukunft ja anhand neuer Statistiken leicht überprüfen.

Es ist heute jedenfalls mein größter Wunsch, daß ich völlig falsch liege und alles wirklich besser wird.
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© Gregor Gerlach