Jawoll !
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Stand 26.6.2004

'Dat Pumpwerk'

oder
warum ich manchmal so traurig bin.

Die Stadt Köln arbeitet seit der Entstehung entschlossen an ihrer Beziehung zu Vater Rhein.
Im Moment erweckt sie den Anschein, dies besonders intensiv zu tun, da Landeszuschüsse beim Hochwasserschutz zu erwarten sind.
Also plant die Stadt scheinbar, dem Kölner Süden eine wassertechnische Großlösung zukommen zu lassen.
Dies ist vielleicht im Bereich der Zuschußausschöpfung sinnträchtig, hätte allerdings auch einen erheblichen Flächenverbrauch inklusive ausgewachsener Rodungen zur Folge. Nebenbei, so denke ich, könnte man ja auch direkt noch versuchen, die Grenze zwischen Innen- und Außenbereich ein wenig aufzuweichen.
So etwas wird von manchen Politikern und Verwaltern ab und an gerne billigend in Kauf genommen. Man weiß ja nie, wofür es einmal gut sein könnte.
Ah ja, bevor ich es vergesse, das Stadtbild wird in meinen Augen völlig demoliert. Das ist die Stelle, an der ich nun wieder glaube, daß die Stadt das nicht extra macht oder gar böse meint. Es denkt wahrscheinlich nur einfach wieder keiner drüber nach.



Hier finden Sie meine wirklich persönliche Chronlogie und Leidensgeschichte. Also alles nur erfunden oder zumindest zutiefst zweifelhaft, nicht wahr ;-)



Szene 1

Ejmol im Joor kütt der Rhing us em Bett ...

Liest sich lustig, ist es aber für die direkt Betroffenen allerdings nie. Doch lassen Sie uns besser der Reihe nach vorgehen.

Köln und der Rhein sind seit jeher eng verbunden. Der Fluß ist Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite Handelsweg und lange Zeit auch Ernährer, tritt er manchmal über die Ufer, was zu allen Zeiten für Angst und Schrecken gesorgt hat.
Über Generationen wurde dem Strom bis heute Land abgerungen. Damit einher ging und geht der Wunsch, sich durch Dämme vor der Gewalt des Stromes zu schützen. Ich kann es wirklich verstehen, sehe aber ebenso, daß, je mehr wir eindeichen, die Hochwässer schneller und höher werden.

Die Natur ist nicht berechenbar, es hat immer gewaltige Hochwasser gegeben. Und wir werden auch immer weiter solche Katastrophen erleben.

Ich käme nie auf den Gedanken, Vater Rhein zu unterschätzen. Wissen Sie übrigens, wie es ihm im Bereich Köln geht ? Nun, zunächst haben die Menschen sein Bett befestigt, damit er schneller fließt. Diese Maßnahme soll verhindern, daß sich Geröll auf dem Flußboden ablagert, insbesondere in der tiefen Fahrrinne. Der Fluß fließt um so schneller, je schmaler er ist. Das könnte sich mit den Zielen der Stadt doch ganz prächtig treffen, oder ?
Denn trotz allem Ungemach ist der Rhein für die Kölner Bevölkerung fast immer ein Zeichen hohen Wohnwerts. Damit verliert der Rhein Jahr für Jahr Stückchen für Stückchen Überflutungsfläche. Nicht nur, aber auch in Köln.
Der Rhein ist heute also ein schnell fliessender Fluß. Diese Eigenschaft bringt es mit sich, daß auch Flutwellen durchaus munter unterwegs sind.
Nachdem wir fast einträchtig unser Land weitgehend kanalisiert haben, sollten wir uns auch nicht zu sehr wundern, wenn ein oder zwei prächtige Landregen schnell und effektiv abgeleitet werden. Schließlich haben wir dafür bezahlt.
Und ganz am Ende für alle Wasser in einem recht großen Bereich in Europa steht nun mal nach wie vor Vater Rhein.

Ich würde jetzt gerne darüber sprechen, warum ich mich wirklich auch über einen Hochwasserschutz freuen könnte.



Szene 2

Näh, wat is dat schöön ...

Ich wohne in Köln-Rodenkirchen, also im Süden. Es liegt mir fern rumprotzen, aber dieser Stadtteil ist wirklich sehr hübsch. Es hat einen kleinen Ortkern mit einer guten Infrastruktur und eben den Rhein. Mit Blick auf die Bootshäusern und die wirklich schönen Rheinauen sind die Uferlage und der angrenzende Bereich auch völlig zu Recht als Bauland begehrt.
In direkter Ufernähe stehen einige 'Objekte', die fast jedem Immobilienmakler sofort das Wasser in die Augen treiben würden. Und Rodenkirchen ist gesegnet unter den Kölner Stadtteilen, der Rhein lagert in diesem Bereich feinen hellen Sand am Ufer ab. Wenn Sie mal sehen wollen, was in Rimini zur Stoßzeit los ist, sollten Sie an einem schönen Sonntag Nachmittag einmal vorbeikommen. Also das Naherholungsgebiet schlechthin, das auch wirklich gut genutzt wird.
Im Süden wird die Stadt an den Rheinauen durch einen Wohnkomplex begrenzt. Es ist sicher diskussionswürdig, ob es damals in den Sechzigern wirklich 16 Stockwerke hätten sein müssen, aber jetzt ist er da. Dahinter beginnt ein Wald, der Rodenkirchener Grüngürtel, der dann in den Weißer Bogen übergeht.
Meines Wissens beginnt der Außenbereich der Stadt hinter dem Wohnkomplex, in jedem Fall ist der Grüngürtel dort, wo er die Rheinauen trifft, als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Wie die Rheinauen selbst auch.
Im Außenbereich entlang der Uferstraße wiederum gibt es einige vereinzelte Häuser, die Bestandsschutz geniessen, Freizeitanlagen und, gut kaschiert an der Grüngürtelstraße, ein Klärwerk.
Ein wirklich schönes Stück Köln, nur in bestimmten Lagen halt manchmal naß. Wenn der Rhein aus seinem Bett kommt.

Glauben Sie mir, bevor ich hier hin gezogen bin, habe ich die Hochwasserlage um mein neues Heim ausgiebig sondiert.
Es wurde mir versichert, daß ich bei 10 Meter 50 Kölner Pegel noch das Haus trockenen Fußes verlassen kann. Und das stimmt. Ich habe innerhalb von sechs Jahren, in denen ich hier lebe, schon einige Hochwasser kommen und gehen sehen. Und wir hatten bislang noch keinen Steg am Haus, denn es war nicht nötig. Leider sind nicht alle Nachbarn in dieser glücklichen Situation.

Das Auenviertel zwischen Kapellchen und Hochhaus beginnt bereits bei Wasserständen um die 8 Meter 50 vollzulaufen.
Die tiefste Stelle des Viertels liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen diesen Punkten. Die Häuser, die dort bereits seit Jahrzehnten dort stehen, sind meist so angelegt, das sie ein 'normales' Hochwasser problemlos überstehen können. Den Erbauern war durchaus bewußt, daß sie zwar sehr schön, aber auch in einem Überschwemmungsgebiet liegen. Ein Hochwasser macht trotzdem sehr viel Arbeit, aber man kann es meistens relativ schadlos überstehen.
Etwas anders ist es bei manchen neueren Bauten in diesem Bereich. Aufgrund der hohen Grundstückspreise ist die Nutzung hier manchmal exzessiver, was bei Hochwasser zu sehr ernsten Problemen führen kann.

Die Wünsche, den Bereich bis zu einer Wasserhöhe von 11,30 abzuschotten, kann ich gut verstehen. Und bin auch durchaus Freund von ihnen, denn als Überflutungsfläche taugt der Bereich allein aufgrund der recht starken Oberflächenversiegelung ohnehin kaum noch. Warum also nicht aufdeichen ?
Da möchte ich den Nachbarn wirklich keinesfalls im Wege stehen.



Szene 3

Et kütt wie et kütt ...

Es ist nun an der Zeit, über die Beteiligten an den weiteren Vorgängen zu sprechen. Da ist zunächst die Stadtverwaltung selbst sowie die Stadtentwässerungsbetriebe, die sich an dieser Stelle von einem Dienstleistungsbüro für Wasserbau unterstützen lassen. Des weiteren finden wir Politiker auf Bezirks- sowie Stadtebene und Sie und mich, die Bürger.
Einige der Bürger haben sich zu einer Initiative zum Hochwasserschutz zusammengeschlossen.

Wenn das Viertel eingedeicht ist, müssen wir uns ein Problem vergegenwärtigen, das auf den ersten Blick manchmal übersehen wird. Eine Aufdeichung bedarf auf der dem Land zugewandten Seite eines Drainage- und Pumpensystems, das diesen Bereich auch wirklich trocken hält, denn ansonsten dringt das Wasser durch das Erdreich und die Kanalisation in den trocken zu haltenden Bereich ein.
Wir leben im 21. Jahrhundert und besitzen sehr viele technische Möglichkeiten. So gibt es auch etliche verschiedene Lösungen, das Auenviertel in Rodenkirchen vor Hochwasser zu schützen. Stadt und Entwässerungsbetriebe haben eine Variante gewählt, die den Neubau einer Pumpstation vorsieht, in der problemlos mehrere Einfamilienhäuser Platz hätten. Dieser Bau soll direkt hinter dem Hochhaus entstehen, also dort, wo jetzt der Rodenkirchener Grüngürtel beginnt. Da ist zwar derzeit noch Wald, Landschaftsschutzgebiet und Außenbereich, aber die Stadt hat sich entschlossen, das angeblich zwingend benötigte Bauwerk exakt an diesen Punkt zu stellen.

Ich habe lange nach Gründen gesucht, warum sich die Planer auf diese zentrale Großlösung festgelegt haben. Denn wirklich einsichtig ist es für mich nicht, aber ich bin ja auch nur ein Bauingenieur.
Dennoch glaube ich nun, einige der Gründe gefunden zu haben. Meiner Meinung nach schöpft der Bau dieser Anlage zusammen mit dem dazu dann zwingend erforderlichen Tiefbau wahrscheinlich den Topf der Landesmittel weitestgehend aus.
Und wenn das Pumpwerk erst einmal an der vorgesehenen Stelle steht, kann man nach meinem Dafürhalten in ein paar Jahren wahrscheinlich auch besser über weitere Baumaßnahmen in diesem Bereich reden, denn verhunzt ist er ja dann ohnehin.

Die von der Stadt angestrebte Lösung sieht folgendes vor :
Vom tiefsten Bereich des Auenviertels, an dem sich aus naheliegenden Gründen im Falle eines Hochwassers das bedrohende Sickerwasser in jedem Fall sammelt, wird dieses Wasser zu dem geplanten Pumpwerk geleitet. Das liest sich recht einfach, ist es aber nicht. Denn der geplante Standort für das Pumpwerk liegt eben nicht an der tiefsten Stelle des Viertels. Um das Wasser zum Pumpwerk zu bekommen, daß dann selbst in einem höheren Bereich des Ufers liegt, muß also auf zirka 500 Meter die Flußrichtung des bestehenden Kanals umgekehrt werden.

Es würde mich wundern, wenn bei dieser Maßnahme der Tiefbauer nicht wirklich breit lächelt. Denn die allein für die Umkehrung der Fließrichtung auszuführenden Arbeiten sind nicht von Pappe. Das Wasser erreicht den Standort des Pumpwerks recht tief, es kommt ja von der tiefsten Stelle des Viertels. Und von dort muß es ein Gefälle zu dem Sumpf unter dem Klärwerk geben. Um das Wasser aus diesem tiefen Sumpf heraus zu bekommen und umgehend wieder dem Hochwasser führenden Rhein anzuvertrauen, werden wirklich prächtige Pumpen benötigt. Und die sollen in dem neu geplanten Pumpwerk wohnen.

Die Stadt hat den beauftragten Dienstleister und Planer also alles prüfen und berechnen lassen. Das Ergebnis hat mich nicht wirklich überrascht, es sagt aus, daß die gewählte Variante am preiswertesten, sichersten und umweltverträglichsten ist.
Ich persönlich denke, daß ein Dienstleister in unserem Wirtschaftssystem kaum eine gesicherte wirtschaftliche Zukunft hat, wenn er sich den Wünschen seiner Kunden verschließt.

Sämtliche Vorzüge der Lösung wurden einem eher reservierten Publikum im Rahmen einer Bürgeranhörung nahe gebracht.
Und es wird auch alles ganz schön. Jemand aus der Verwaltung/Planungs-Dienstleistung erklärte begeistert, wie schnell das Beton - Pumpwerkchen von der Natur zurückerobert werden würde. Moose und Flechten würden den Bau bald in ein heimeliges Grün tauchen. Daß man für diesen Effekt zunächst hunderte Bäume umhauen muß, wurde, wenn ich mich recht erinnere, nicht bestritten.
Ich selbst mag Moose und Flechten wirklich gut leiden, würde ihre Schaffenskraft allerdings eher konservativer einschätzen.
Insgesamt schien die Planung keine breite Mehrheit in der Bevölkerung zu finden. Es wurden Alternativen vorgestellt, die für Verwaltung/Planungs-Dienstleistung aber allesamt leider, leider als nicht machbar herausstellen sollten.
Für mich lautete die Botschaft der Stadt ungefähr so: 'Also, ähh, datt Pumpwerk mache mer esu, wi mer jesaht han. Esünst dummer janix, dat bisde dann ever uch selfs schuld'. Die Stadt zumindest scheint ein klares Ziel vor Augen zu haben. So kenne ich sie eigentlich gar nicht.




Szene 4

Et is noch immer jood jejange ...

Ich hätte ja nie gedacht, einmal eine Bezirkssitzung zu besuchen. Als über das Pumpwerk abgestimmt wurde, konnte ich mir das allerdings nicht entgehen lassen.
Die Verwaltung stellte ihren Entwurf vor. Die vertretenen Parteien erklären mehr oder minder unisono, daß die Verwaltung bitte umgehend eine Verschiebung des Bauwerks zum Pumpwerk hin untersuchen und beplanen soll. Und mit Neuvorlage bitte zur nächsten Sitzung wieder erscheinen möge.
Ich bin mir sicher, daß dies auch dem Konsens innerhalb der Bevölkerung entsprach, und war sogar ein wenig verblüfft über so viel Demokratie.
Ein Vertreter der Verwaltung erklärte daraufhin den Politikern sinngemäß, daß sie dieses Ansinnen am besten sofort wieder vergessen. Entweder so wie vorgestellt oder ...
Demokratie hin oder her, ich wußte jedenfalls sofort wieder genau, wo ich war.

Der Rat der Stadt Köln hat dann beschlossen, das Pumpwerk entsprechend dem Vorschlag der Verwaltung zu plazieren.
Und abzuholzen, wahrscheinlich, weil es keinerlei anderen gangbaren Weg gibt. Aus Sicht von Teilen der Kölner Politik und Verwaltung mag das durchaus sein.
Es macht mein Leben nicht leichter, daß ich manchmal noch selbst denke.



Szene 5

Wenn dat Wasser im Rhein joldner Wein wär ...

... hätte Köln auf jeden Fall mehr Retentionsfläche ;-) Na gut, Scherz beiseite.

Je älter ich werde, desto klarer kann ich die wesentlichen Dinge des Lebens erkennen, die dazu auch noch recht einfach sind. Beispielsweise
- Wasser fließt nach unten. Wenn man einen Bereich trocken legen will, ist die tiefste Stelle genau richtig;
- kleine Löcher sind billiger als große;
- die Stadt scheint ein erhebliches Interesse an speziell diesem Standort für das Pumpwerk zu haben.

Und mir fällt dazu immer wieder das Gleiche ein. Wenn das Pumpwerk dort gebaut wird, beginnen Innen- und Außenbereich optisch zu zerfließen. Das könnte sich doch noch zu einer ausbaufähigen Situation entwickeln, so im Laufe der Zeit.
Falls Sie sich später einmal fragen sollten, wie der Fluß auch heute noch immer weitere Rückzugsgebiete verlieren konnte, haben Sie hier unter Umständen ein klassisches Fallbeispiel.

Wo wir gerade über Ausgleichsflächen sprechen, wird eine Ersatzfläche für das später eingedeichte Auenviertel ausgewiesen ? Wenn nicht, ist das für den Kölner Norden keine wirklich gute Nachricht, wie ich fürchte.
Ich weiß wohl, daß das nach den Buchstaben der geltenden Gesetze nicht notwendig ist. Ebenso weiß ich, daß die Eindeichung des Auenviertels dem Strom weiter Raum nehmen wird. Dieser wiederum wird sich dann verhalten wie immer in solchen Fällen. Die kommenden Hochwasser werden dann halt ein wenig höher. Zumindest stromabwärts von Köln.

Das Wort Ausgleich in Ausgleichsfläche legt übrigens nahe, daß die ausgewiesene Fläche vorher dem Rheinwasser nicht zugänglich war. Sonst war die Ausgleichsfläche nämlich früher ohnehin Überschwemmungsgebiet, also eine Änderung vielleicht für die Akten, nicht aber für den Fluß.
Bevor ich es vergesse, für das neuzubauende Pumpwerk selbst schafft die Stadt natürlich auch einen Ausgleich, ein verwildertes Stückchen Land ein paar Meter weiter.
Ich bin sicher, das Stückchen Land ist da so stolz drauf, daß es ab jetzt bei Überschwemmungen die doppelte Menge Wasser aufnehmen wird.
Gestern hätte ich noch sagen können, die Stadt wollte dieses Stückchen Land ... Aber heute ? ... Sagen Sie mal, ist das in Ihrer Stadt eigentlich genauso, dieses dauernde Hin und Her oder vielleicht doch nicht ?

Nur Eines scheint wirklich sicher, denke ich, die Stadt Köln möchte unbedingt ein paar hundert Bäume umhauen für das neue Pumpwerk.
Und es müssen die Bäume an der Ecke Grüngürtel - Rheinauen sein. Dabei haben die Rodenkirchener Bürger der Verwaltung ja auch andere Bäume zum Umhauen am Klärwerk angeboten, da würde es nicht so auffallen. Aber nein ...

Ich kann keinen Gutachter finanzieren, bin mir aber sicher, daß wir das Auenviertel für einen wesentlich geringeren Preis trocken halten können. Wenn es darum geht, dem Sickerwasser Herr zu werden, können wir ein kleineres Pumpwerk an der niedrigsten Stelle bauen. Sollte der Baukörper an dieser Stelle als störend empfunden werden, ist auch die Entsorgung des Wassers über mehrere kleine Sümpfe möglich, die optisch kaum auffallen. Ja, ich weiß, die Verwaltung/Planungs-Dienstleistung hat das alles bereits geprüft, und leider, leider ...
Wenn ich das nächste Mal in den Niederlanden bin, kann ich ja bei denen mal schauen, warum so was dort geht und hier nicht. Auf jeden Fall wäre es wahrscheinlich um einiges billiger als die jetzige Lösung. Wenn man weniger Aufwand treibt, läßt sich einiges sparen. Selbst wenn wir noch ein weiteres kleines Pumpwerk an die Kläranlage setzen und einen neuen, größeren Kanal vom Klärwerk zum Rhein dazu bauen.

Ich gebe zu, die Lösung hat einen Haken. Denn es könnte sein, daß die Nachtruhe einiger durch diese Maßnahme wirklich Beschützter im Hochwasserfall wegen der arbeitenden Pumpen gestört würde. Falls man den Standort des Pumpwerks unter anderem deshalb ein wenig weiter weg von ganz feinen Adressen gewählt hat, nun gut, ich habe damit wirklich kein Problem.
Dann aber bitte auf einen Standort unmittelbar an der Kläranlage, nicht direkt sichtbar für die Bürger und Besucher Rodenkirchens an den Auen oder am Grüngürtel.
Wenn die Stadt schon so einen Klotz bauen 'muß' und dafür mal eben die Fließrichtung eines Kanals auf ein paar hundert Meter umdreht, dann kann der Kanal auch wohl 100 Meter weiter in die Nähe des Klärwerks führen.

Also, liebe Politik und Verwaltung Kölns, Ihr hattet die Wahl zwischen einer kostengünstigen Lösung, einem bißchen Lärm bei Hochwasser sowie weitgehender Ressourcenschonung.
Auf der anderen Seite konntet Ihr meiner Meinung nach ebenfalls versuchen, soviel wie möglich aus dem Landestopf zu greifen und eine 'große Lösung', verbunden mit erheblichem Flächenbedarf und -verbrauch zu realisieren.

Ich werde den Gedanken nicht los, daß der Kölner Süden nun die schlechteste aller denkbaren Möglichkeiten zugeteilt bekommen hat.
Und ich habe keine Ahnung, ob es wirklich so sein muß.

Gleichzeitig wird mir und meinen Mitstreitern von einigen Politikern, Verwaltern und Nachbarn der Vorwurf gemacht, daß wir keine Opfer für die Allgemeinheit zu bringen bereit sind. Ein wirklich interessanter Standpunkt.
Denn die Realität sieht aus meiner Sicht so aus, daß das Pumpwerk dort gebaut werden soll, wo die unmittelbaren Anlieger kaum von Hochwasser betroffen sind (derzeit trocken bis 10 Meter 50 Pegel Köln) und so auch sehr, sehr wenig von der gesamten Baumaßnahme profitieren werden.
Eine sinnträchtige Erklärung, warum das Pumpwerk nicht dort gebaut wird, wo die Anwohner den wirklichen Nutzen davon haben (derzeit trocken bis 8 Meter 50 Pegel Köln) und der Standort auch technisch besser geeignet ist, hat es dagegen bislang nicht gegeben. Im Übrigen ginge es dort nach meinem Dafürhalten auch wesentlich preiswerter und umweltverträglicher.
Als Politiker würde ich wahrscheinlich sagen, daß hier des einen Pelz des einen gewaschen werden soll, indem man den eines anderen naß macht.
All das macht mich sehr traurig.

Ich glaube, da fangen wir am besten noch mal ganz von vorn an.



Szene 6

Näh, wat is dat für ene fiese Möpp ...

Falls ich diese Seiten wirklich ins Netz stellen sollte, ist mir der Gülich - Preis 2004 ziemlich sicher ;-)
So etwas mache ich auch wirklich ungern, aber die Stadt läßt mir keine Wahl. Warum hat sie auch von allen Möglichkeiten die in meinen Augen unklügste (mit dem höchsten Verbrauch an schützenswerten Ressourcen sowie Geld) gewählt ?

Ich glaube, ich frage bei den Parteien am besten mal nach, wie und warum sie seinerzeit bei den Entscheidungen gestimmt haben.
Bald sind ja Kommunalwahlen, da freut man sich über jeden Hinweis, der einem diese Entscheidung erleichtert.

Weil die Kölner Politik und Verwaltung wahrscheinlich nicht die Zeit finden wird, persönlich beim Begräbnis des Rodenkirchener Grüngürtels im Bereich der Rheinauen anwesend zu sein, werde ich dies hier im Netz festhalten.
Damit Sie ihren Kindern auch später einmal konkrete Aufklärung darüber zukommen lassen können, wie so etwas überhaupt passieren konnte.

Am 18.6.2004 konnte man übrigens in den Kölner Zeitungen (hier taz köln / KStA) lesen, daß man doch 'dem OB sing Löchelche' zunächst ein wenig mit Geldern (8.750.000 Euro) für den Hochwasserschutz auspolstern könnte. So zumindest die Meinung einiger Kölner Politiker. Also nur kurz leihen, das Geld ...

Wollen Sie noch genauer wissen, warum ich die Nase voll habe ?
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© Gregor Gerlach